Ostseegespräch 20.4.2020: Von der „Finnlandisierung“ zum „Musterknaben der EU“ – Finnlands EU-Beitritt im Lichte deutscher Interessen

Im Frühjahr 1992 stellte die finnische Regierung unter Ministerpräsident Esko Aho ihren Antrag auf Mitgliedschaft in der Europäischen Gemeinschaft (EG) − eine wichtige Zäsur in der finnischen Außenpolitik und fundamentale politische Richtungsentscheidung. Nach schwierigen Beitrittsverhandlungen trat Finnland 1995 der EU bei. Bereits zu Beginn der 1990er Jahre ist eine Neuausrichtung der finnischen Außenpolitik zu verzeichnen: weg von der Nordischen Kooperation und der Fokussierung auf Schweden hin zu einer strategischen Orientierung an Deutschland.

Die finnische Wissenschaftlerin Dr. Marjo Uutela beleuchtet in ihrem Vortrag die Hintergründe dieses Prozesses und analysiert dabei insbesondere die Rolle der deutschen Außenpolitik und die strategischen Interessen Deutschlands an einer Norderweiterung der EU. Wie gelang es Finnland, vom kritisch beäugten, vermeintlich „finnlandisierten“ Staat in der sowjetischen Einflusssphäre am Rande Europas innerhalb weniger Jahre zum „Musterknaben der EU“ zu werden? Und welche Rolle spielte Deutschland dabei? In einer gemeinsamen Veranstaltung mit dem Finnland-Institut in Deutschland wollen wir Antworten auf diese Fragen geben.

Marjo Uutela wurde 2018 an der Universität Helsinki im Fach Politische Geschichte promoviert; währenddessen forschte sie im Rahmen des Projekts „Reimagining Futures in Europe’s North at the End of the Cold War” der Akademie von Finnland. Seit Anfang 2018 ist Marjo Uutela als Gastforscherin an der Humboldt-Universität zu Berlin tätig; ihr Forschungsschwerpunkt dort lautet Nordische Länder, Deutschland und die Westintegration 1991–1995.

Klaus von Lepel, MSc (LSE), studierte Rechts-, Politik- und Geschichtswissenschaften sowie Finnougristik in Göttingen, Helsinki, Freiburg und London. Seit 2001 beim Senat der Freien und Hansestadt Hamburg beschäftigt, wechselte der Jurist 2007 in die Hamburger Behörde für Wissenschaft und Forschung. Klaus von Lepel wirkt ferner im Baltic Science Network, einem der führenden wissenschaftspolitischen Netzwerke im Ostseeraum. Außerdem engagiert sich u.a. in der Finnisch-Deutschen Handelsgilde Hamburg (FDHG) sowie im Innovationszentrum Hamburg-Bahrenfeld und ist Stellvertretender Vorsitzender im Beirat des Finnland-Instituts.

Wegen der begrenzten Anzahl an Sitzplätzen bitten wir um Anmeldung bis 20. April 2020 unter info@finstitut.de.

Wann? Dienstag, 21. April 2020, 19.00 Uhr

Wo? Finnland-Institut in Deutschland, Friedrichstr. 153a (3. OG), 10117 Berlin

Der Eintritt ist frei.

Verkehrsverbindungen: S+U Friedrichstraße Bhf.; Bus 100, 200 Unter den Linden/Friedrichstraße